Wie viel körperliche Nähe braucht mein Hund?

22.07.2018

Wie einige von euch vielleicht wissen, beschäftige ich mich mit meiner Arbeit als Hundepsychologin schwerpunktmäßig mit dem Thema Mensch-Hund-Bindung.

Meiner Meinung nach ist eine sichere und stabile Bindung zwischen einem Hund und seinem Menschen die Grundlage für alles. Für das gegenseitige Verständnis und das sich Verstehen. Für das Lösen von Konfliktsituationen im Alltag. Für ein ausgeglichenes Zusammenleben. Und letztendlich auch für ein erfolgreiches Training.

Körperliche Nähe als Säule der Mensch-Hund-Bindung

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund stützt sich meiner Erfahrung nach auf drei Säulen und entscheidet über die Qualität der Bindung, die ein Halter zu seinem Hund aufbauen kann. Und ich spreche ganz bewusst von der Perspektive des Halters aus. Denn, wie so oft, haben wir es zu größeren Teilen in der Hand, diese Säulen zu bauen und damit die Bindung zu unserem Hund standhaft zu errichten.

Eine dieser Säulen ist die gegenseitige Nähe zueinander. Zuneigung in Form von Aufmerksamkeiten aber auch Zuneigung in Form von Nähe durch körperlichen Kontakt. An diesem Faktor machen viele Hundehalter die Qualität ihrer Bindung zum Hund aus. Das stimmt so natürlich nicht ganz. Auch ein Hund, der wenig Körperkontakt sucht, kann eine sichere, stabile und glückliche Bindung zu seinem Menschen aufweisen. Wir Menschen denken nur zu oft, dass dies die einzige Form der Nähe ist, die ein Hund uns zeigen kann.

Das Bedürfnis nach Nähe durch Körperkontakt ist bei jedem Hund unterschiedlich stark

Tatsächlich ist es so, dass es Hunde gibt, die stärker den körperlichen Kontakt zu Menschen und zu Artgenossen suchen. Und es gibt Hunde, denen es ausreicht, sich in der Nähe ihres Bindungspartners aufzuhalten. Es gibt Hunde, die körperlichen Kontakt regelrecht einfordern, indem sie so lange ihren Kopf auf den Schoß ihres Menschen legen, bis er denn endlich gestreichelt wird. Und es gibt Hunde, denen es nicht gefällt, am Kopf gekrault zu werden und einfach die Anwesenheit ihres Halters in zwei Meter Entfernung genießen. Kontaktliegen kann auch mit etwas Abstand zueinander stattfinden!

Wie viel körperliche Nähe ist richtig?

Nichts davon ist falsch. Richtig ist das, was deinem Hund guttut und womit er sich wohl fühlt. Und womit du dich wohlfühlst. Ich selbst habe mit Nala einen Hund an meiner Seite, der nur wenig bis mittel viel körperliche Nähe sucht. Zu unserer Anfangszeit hat sie körperliche Nähe in Form von Streicheleinheiten zwar zugelassen, aber nie richtig genossen. Das kam erst mit der Zeit. Mittlerweile ist es so, dass sie es genießt, morgens noch für ein, zwei Stündchen mit uns im Bett zu kuscheln. Aber auch hier liegt sie selten in unseren Armen, sondern einfach nur bei uns. Nutzt meine Beine als Stütze, um sich dazwischen zu kuscheln. Und wenn sie mal ein ganz starkes Kuschelbedürfnis hat, dann setzt sie sich vor mich, mit dem Rücken zu mir, da sie weiß, dass ich sie dann von hinten umarme. Das fordert sie dann auch wirklich bewusst ein. Und ich muss sagen, dass ich diese Momente, in denen die „Anfrage“ nach Körperkontakt von Nala kommt, besonders liebe und ich mich besonders darüber freue! Einfach weil sie so rar sind.

Die Bedürfnisse beider Parteien im Mensch-Hund-Team sollten berücksichtigt werden

Würde ich mir mehr Körperkontakt von Nala wünschen? Ja. Ich persönlich bin jemand, der sehr gerne Körperkontakt hat. Der Menschen gerne umarmt und es auch braucht, regelmäßig in den Arm genommen zu werden. Das sind allerdings meine Bedürfnisse. Es ist auch definitiv so, dass ich mehr körperliche Nähe von Nala einfordere, als sie von mir. Aber ich habe es so weit reduziert, dass es für sie noch in Ordnung ist und sie sich nicht von mir belästigt fühlt. Würde ich zu viel einfordern, wäre dieser Säule, dieser wichtige Teil unserer Bindung, sehr einseitig und kann schnell aus dem Gleichgewicht geraten.

Dass das Bedürfnis körperlicher Zuneigung auf beiden Seiten vorhanden ist, ist absolut klar. Für mich ist es wichtig, dass sich das Einfordern wenigstens einigermaßen die Waage hält. Zum einen möchte ich, dass Körperkontakt von Nala auch weiterhin als angenehm und nicht als Zwang empfunden wird. Zum anderen soll es auch weiterhin etwas Besonderes sein. Ein positives und wohliges Gefühl, für das man auch mal bereit ist, „nachzufragen“, da es einem eben nicht immer zur Verfügung steht bzw. aufgedrängt wird.

Mehr Nähe durch Raum lassen

Ich bin also der Meinung, man sollte seinem Hund die Menge an körperliche Nähe ermöglichen, mit der er sich gut fühlt. Aber ich finde auch, dass man selbst durchaus Körperkontakt einfordern darf, wenn man gerade das Bedürfnis nach Nähe hat. Wir leben mit unserem Hund zusammen, als Team. Als Mensch-Hund-Team. Bindung ist immer zweiseitig. Also ist es auch absolut legitim, die Bedürfnisse beider Parteien (nicht nur die des Hundes) zu berücksichtigen, sofern sie nicht zum Nachteil des jeweils anderen ausgelebt werden.

Und was gibt es Schöneres, als die Zweisamkeit miteinander zu genießen, in dem Wissen, dass sie gerade von unserem Hund genauso genossen wird, wie von uns? Für mich ist das Gefühl unbezahlbar!

2 Comments

  1. Hallo Kiki! 🙂 Vielen Dank für diesen spannenden Blogbeitrag. Mit der Nähe zu Flummi tu‘ ich mir derzeit noch ein wenig schwer, ich finde es ist grundsätzlich sehr schwer seinen Hund zu „lesen“. Ich bin auch ein Mensch der gerne viel Nähe hat und Flummi ist an einem Tag sehr verschmust am nächsten Tag mag sie nicht berührt werden. Eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle! 🙂 Ich hoffe, dass sich das alles mit der Zeit einpendelt. 🙂

    • Kiki sagt:

      Hallo Kerstin 🙂 Das ist ganz normal, dass es eine Zeit lang braucht, bis sich eine Routine einpendelt. Und selbst dann kann es immer wieder Phasen geben, in denen er eine mal mehr und mal weniger Zuneigung braucht. Was ich dir an dieser Stelle raten kann, ist nicht zu sehr mit dem Kopf abzuwägen und dich mehr auf dein gefühl zu verlassen. Denn Zuneigung ist ja auch einfach eine Gefühlssache 🙂
      Alles Liebe für euch!
      Kiki

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