Am anderen Ende der Leine

Bindung
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Am anderen Ende der Leine

20.11.2015

Leinenführigkeit ist wohl eines der meist diskutierten und anspruchsvollsten Themen im Hundetraining und wohl auch das Thema, was die größte Verzweiflung beim Halter hervorruft. Auch Nala und ich können ein Lied davon singen! Ich kann gar nicht beschreiben WIE sehr verzweifelt wir am Anfang waren! Nala hat so kräftig an der Leine gezogen, dass sie keuchen musste, weil der Druck des Halsbandes ihr die Kehle zugeschnürt hat. Andere Hunde wurden angebellt. Alles was auf der Straße lag wurde gefressen. Eine absolute Katastrophe! Aber wir haben es geschafft. Inzwischen läuft sie wie ’ne eins – meistens 😉 Es ist also machbar. Und wenn wir das schaffen, dann können du und dein Wuffti das auch 🙂 .

Doch bevor wir mit dem Leinenführigkeitstraining beginnen, sollten wir den Sinn und Zweck der Leine verstanden haben. Dann gestaltet sich die Thematik im Training später etwas einfacher.

Der Schlüssel ist sich bewusst zu machen, was die Leine überhaupt bewirken soll: sie sollte im Zweifelsfall der Sicherheit, also zur Absicherung dienen – quasi als Backup, falls der Hund nicht hört. Sieht der Hund beispielsweise potentielle Beute, einen Artgenossen oder etwas/jemand anderen, bei dem er sich nicht mehr unter Kontrolle hat, beziehungsweise wir ihn nicht mehr unter Kontrolle haben, kann der Hund zumindest noch über die Leine gelenkt und die Situation abgesichert werden. Im besten Fall kommt es nicht zu solchen Situationen, aber ich verspreche dir: der beste Fall wird nicht eintreten 😉 . Meiner Meinung nach ist es ziemlich unmöglich einen Hund zu 100% zu kontrollieren. Ich sage mal, dass vielleicht 90% mit viel Disziplin machbar sind.

Orientieren sollte sich dein Hund an dir – auch ohne Leine. Wie du das erreichst, verrate ich dir in einem separaten Beitrag über Leinenführigkeitstraining, das würde den Rahmen jetzt hier sprengen 😉 .

Menschen tendieren dazu, ihrem Hund Anweisungen über die Leine zu geben und ihn darüber zu steuern, da es einfacher ist und es schneller geht, als seine Stimme zu benutzen und ihm Befehle zu geben, die vorher erst mühsam erlernt werden müssen. Soll der Hund anhalten, dann zieht man also an der Leine. Will man weiter gehen, dann zerrt man ihn hinter sich her. Was den meisten aber gar nicht bewusst ist: die Leine sollte, wenn möglich, zu keinem Zeitpunkt unter Spannung stehen. Denn diese Spannung überträgt wortwörtlich Anspannung. Spannung entsteht, wenn beide Enden der Leine etwas unterschiedliches wollen. So bekommen wir aber nicht das, was wir gerne hätten, nämlich einen harmonischen und stressfreien Spaziergang. Man muss dem Hund also signalisieren, was man überhaupt von ihm will. Das ist etwas schwierig, denn das muss man sich selbst erst mal bewusst machen.

Bestes Beispiel, kennt jeder: Zwei Hunde begegnen sich, dürfen sich beschnuppern. Beide Leinen sind unter Spannung.

Wieso? Darf der Hund nun schnuppern, oder darf er es nicht? Du entscheidest. Darf der Hund schnuppern, dann versuche die Leine locker zu halten. Er kann den anderen Hund dann in Ruhe beschnuppern, solange wie du möchtest. Erst wenn du entscheidest weiter zu gehen und dir dein Hund durch Rufen nicht von selbst folgt, kann die Spannung der Leine eingesetzt werden, um ihn an sich heran zu ziehen (Achtung: sollte die Situation zwischen den beiden Hunden angespannt sein, kann es zu einer Eskalation der Situation kommen, da er durch das Spannen der Leine und dem Konflikt mit seinem Gegenüber doppeltem Stress ausgesetzt ist.) . Wenn du dich aber gegen die Hundebegegnung entscheidest, dann gehst du mit deinem Hund an dem anderen vorbei. Hier kann es natürlich passieren, dass dein Hund zu dem anderen hinzieht. Davon solltest du dich aber nicht verunsichern lassen. Bleibe auf keinen Fall stehen und gehe besser einfach weiter. Dann lernt er, dass an der Leine ziehen zu keinem Erfolg führt.

Das Prinzip des an der Leine ziehen gillt übrigens nicht nur für Hundebegegnungen, sondern auch für alles andere. Wenn dein Hund irgendwo schnuppern möchte oder von sich aus stehen bleibt. Du gibst die Richtung und das Tempo an. Wichtig ist nur, dass DU entscheidest, was dein Hund darf und was nicht. Das muss ja keine generelle Entscheidung sein. Einem Hund komplett alle Hundebegegnungen zu verbieten macht natürlich überhaupt keinen Sinn! Es muss nur jedes Mal im Einzelfall entschieden werden. Und DANN ist es wichtig konsequent zu bleiben und ein „nein“ bei einem „nein“ zu belassen. Dann versteht Wauwi nämlich auch endlich, was du von ihm willst und was er darf und was er lassen sollte 🙂 .

Du wirst schnell erkennen, wie positiv sich alleine dieses Verhalten schon auf eure Bindung auswirkt und wie viel sich dein Hund plötzlich an dir orientiert. Er wägt sozusagen ab: Darf ich jetzt oder darf ich nicht? Ein Hund sucht nach Orientierung – im besten Fall kannst du, als seine Bezugsperson, ihm diese dadurch geben.

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