Zahnhygiene – ein Fall für alle Felle

26.02.2016

Zahnpflege beim Hund – ein Thema, das (leider) viel belächelt wird. Dass die Vorstellung, seinem Hund die Zähne zu putzen eine lustige ist, ja, das kann ich verstehen. Jedoch sollte dieses Thema keinesfalls ins Lächerliche gezogen werden, wenn man bedenkt, wie alt die heutige Medizin unsere Vierbeiner werden lässt. Denn je älter unsere Hunde werden, desto länger werden Zähne und Zahnfleisch beansprucht und umso größer ist das Risiko an Parodontose, Zahnstein oder Karies zu erkranken.

Vorbeugen

Natürlich gibt es heutzutage Maßnahmen, wie das Zähneputzen, um Mundgeruch und Zahnstein beim Hund vorzubeugen. Bevor wir aber auf diese „drastische“ oder sagen wir vielleicht besser „nervige“ Angelegenheit zurückkgreifen, möchte ich auf weitere, für uns und unseren Hund bei weitem bequemere Mittel, verweisen, die als Vorbeugungsmaßnahme schon sehr sinnvoll sind und gut wirken.

Futter: Erkrankungen wie Karies kommen beim Hund eher selten vor, da zuckerhaltige Nahrungsmittel nichts im Hundefutter zu suchen haben. Umso wichtiger ist es, auf ein geeignetes Futter zurück zu greifen. Für Hundehalter, die nicht barfen, würde ich daher eher zu Trockenfutter raten, da es bei Weitem mehr Aufwand benötigt, es zu zerkauen und einen größeren Abreibeeffekt hat. Nassfutter im Maul zu zerkleinern ist für die Zähne allerdings nicht so anspruchsvoll. Barfer müssen sich an dieser Stelle eher weniger Gedanken machen, da bei dieser Ernährungsform regelmäßig Knochen verfüttert werden, die für die Zähne natürlich sehr viel aufwändiger zu verarbeiten sind.

Kauartikel: Weiterhin gibt es in nahezu allen Tierläden heutzutage eine Fülle an Angeboten aus Kauartikeln, Leckerlies, Knochen und Spielzeug, die unseren Hund vor Zahnstein bewaren sollen. Wir haben verschiedene Artikel getestet. Einen ausführlichen Beitrag zu diesen Kauartikeln findet ihr bald hier auf unserem Blog 🙂 .

Zähneputzen: Kommen wir zum allseits verhassten Thema Zähneputzen 😉 . Schon als Kind fand man Zähneputzen lästig und nervig, als Erwachsener hat man immer noch nicht so richtig viel Spaß daran gefunden und jetzt soll man auch noch seinem Hund die Zähne putzen? Dass Zähneputzen den tollsten Spaß verspricht, das erwartet wahrscheinlich niemand mehr – und dennoch haben wir uns alle daran gewöhnt und putzen uns morgens und abends ohne darüber nachzudenken, rein aus Gewohnheit, unsere Zähne. Und so verhält es sich auch mit dem Zähneputzen beim Hund. Wir müssen ihn und uns einfach daran gewöhnen. Beim ersten Mal wird es uns noch schwer fallen, beim zweiten, dritten und vierten Mal wird es aber schon einfacher werden, bis es irgendwann ohne zu Zögern vonstatten geht.
Ein Zahnpflegeset* für Hunde findest du zum Beispiel schon günstig bei Amazon oder bei jedem Zoofachmarkt. Es ist sehr wichtig darauf zu achten, dass keine Menschen-Zahnbürste und -zahnpasta verwendet werden, da die Bürste für das empfindliche Hundezahnfleisch einfach zu grob ist und man es leicht verletzen könnte, und die Zahnpasta mit Minzgeschmack einfach zu intensiv, scharf und unangenehm für das Hundemaul ist. Ich habe auch den Tipp bekommen, dass das Putzen ohne Zahnpasta bereits ausreichend ist und die Prozedur vereinfacht, da viele Hunde versuchen, auf der leckeren, nach Lebwerwurst oder sonstigen Zahnpastasorten schmeckenden Zahnbürste herumzukauen. Das erschwert die ohnehin schon schwere Maßnahme natürlich sehr.
Tierärzte empfehlen, dem Hund alle zwei bis drei Tage die Zähne zu putzen und das würde ich auch wirklich tun, wenn dein Hund sehr anfällig für Zahnstein und Erkrankungen im Maul ist. Leider sind hier tatsächlich einge Hunde genetisch schlechter veranlagt und tendieren eher zur Bildung von Plaque, Zahnstein und Parodontitis als andere Hunde. Solchen Hunden empfiehlt sich viele Kauartikel zu füttern (natürlich nicht im Übermaß, wir wollen ja nicht, dass dein Hundi moppelig wird 😉 ), da das Kauen den Speichelfluss anregt, welcher wiederum Zähne und Zahnfleisch schützt.

Zähneputzen Alternative:Eine etwas einfachere Variante, die dem Zähneputzen sehr nahe kommt, aber etwas scheller und einfacher funktioniert, ist die Verwendung von Anti-Plaque-Fingeraufsätzen*, die den Belag auf den Zähnen des Hundes entfernen soll, bevor er zu Zahnstein wird. Dies sollte man jeden bis jeden zweiten Tag vornehmen, da die Plaque innerhalb von 48 Stunden verhärtet und zu Zahnstein werden kann. Somit kommt es dem klassischen Zähneputzen schon sehr nahe. Welche Möglichkeit für euch gut funktioniert, kannst du selbst aber natürlich am besten entscheiden. Bei den meisten Hunden funktioniert diese Möglichkeit am einfachsten und ist als Einstieg zum „richtigen“ Zähneputzen auch sehr zu empfehlen.

Krankheiten

Karies: Wie schon erwähnt, kommt Karies bei Hunden vergleichsweise selten vor. Karies sind Löcher in den Zähnen, die aufgrund von Entkalkung des Zahnschmelzes entstehen. Wenn beim Hund aber dennoch Karies entdeckt wird, handelt es sich um Folgen des Zahnsteinbefalls oder einer dauerhaften Fehlernährung mit zu zuckerhaltigem Futter oder „Menschenessen“. Die Ernährungsform sollte in diesem Fall gründlichst überdacht werden, da neben den Schäden im Maul auch weitere gesundheitliche Schäden, wie Mangelernährung usw. entstehen können!

Zahnstein: Zahnstein kommt sehr häufig vor. Ungefähr vier von fünf Hunden leiden an den durch Futterresten entstandenen Belägen, die Mundgeruch und Zahnfleischentzündungen begünstigen. Die Bakterien im Maul nutzen die Futterreste als Nährboden, vermehren sich und bilden Beläge, die schließlich hart und zu Zahnstein werden.

Parodontose: Wird der Zahnstein nicht entfernt, kann es auf Dauer zu Entzündungen am Zahnfleisch kommen. Es zieht sich zurück und legt den Zahnhals frei. Dieses Zurückziehen ist irreversibel, d.h. das Zahnfleisch kann sich nicht mehr in seine ursprüngliche Position zurück entwickeln. Die Erkrankung kann tatsächlich soweit fortschreiten, bis die Zahnwurzeln und sogar der Kieferknochen angegriffen werden. Der Zahn kann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erhalten werden.

Behandlungsmaßnahmen

Zahnstein entfernen (oberflächlich): Wie bei uns Menschen auch, ist es wichtig, den Zahnstein zu entfernen, damit er nicht Auslöser für weitere, bzw. schlimmere Entzündungen und Maulgeruch wird. Dies kann zum einen der Tierarzt erledigen. Mit sogenannten Zahnstein-Entfernern, entfernt der Tierarzt dann vorsichtig die harten Überreste auf den Zähnen und am Rand zum Zahnfleisch. Meine Tierärztin hat mir damals gezeigt, wie sie vorgeht und mir geraten, es selbst zuhause vorzunehmen, wenn ich es mir zutraue. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass Nala (genetisch bedingt) sehr gute Zähne hat und sie (auch aufgrund der Vorbeugungsmaßnahmen) nie viel Zahnstein hatte. Dennoch entferne ich ihn grob bei ihr alle paar Monate selbst.

Zahnstein entfernen: Bei schlimmerem, fortgeschrittenem Zahstein und Parodontose muss auf jeden Fall der Tierarzt ran. Es handelt sich dann nich mehr nur um oberflächliche verhärtete Plaque-Ansammlungen, sodass der Tierarzt den Zahstein (oder schlimmeres) unter Narkose entfernen muss. Eine Narkose bedeutet immer ein Risiko für den Hund. Für diese Behandlung stehen übrigens extra ausgebildete Tier-Zahnärzte zur Verfügung, die neben den Routineeingriffen, wie Zahnsteinentfernung, auch auf sehr viel größere Behandlungen, wie Implantate oder Zähneziehen spezialisiert sind!

Unsere Zahnpflegeroutine

Anfangs, als Nala zu uns kam und wir uns mit dem Thema Zahnhygiene noch nicht viel auseinandergesetzt hatten, haben wir uns diese Anti-Plaque-Fingeraufsätze, wie oben beschrieben, zugelegt. Das war allerdings noch ziemlich am Anfang unserer Zeit und wir wussten nicht so recht, wie wir Nala lange genug das Maul aufhalten sollten, beziehungsweise wie wir sie überhaupt richtig anfassen sollten. Wir hatten noch gar nicht genügend Vertrauen zueinander gefasst, sodass wir bereits nach zwei Tagen aufgaben und die Fingeraufsätze aus unserer Zahnpflegeroutine verschwanden. Mit diesem Thema habe ich mich damals dann auch nicht weiter auseinandergesetzt; es gab zum Thema Verhalten und Erziehung nämlich genug Stoff, denen ich meine Aufmerksamkeit widmen musste 😉 . Und so haben wir einfach, wie vom Züchter empfohlen, ein mal wöchentlich eine Knochenmarkscheibe verfüttert. Die Tierärztin hat uns bei jedem Besuch versichert, was für gute Zähne Nala doch hat und somit war das Thema für uns erst mal gegessen.
Mittlerweile habe ich mich etwas mehr mit der Zahnhygiene auseinandergesetzt und kann für uns nur sagen, dass es für Nalas Zahnpflegeroutine vollkommen ausreichend ist, wenn sie zwei bis drei Kauartikel in der Woche bekommt und ich ihr alle paar Wochen bis Monate den Zahnstein grob selbst entferne. Dazu kratze ich mit einem Zahnstein-Entferner leicht am Zahn zum Rand des Zahnfleisches hin, ohne das Zahnfleisch zu berühren oder gar zu verletzen. Ich übe nur etwas Druck auf den Zahn auf, da ich den Zahn nicht beschädigen möchte. Sollte der Dreck so nicht zu entfernen sein, liegt er wohl schon tiefer. Dann sollte sich ein Tierarzt Zähne und Gebiss ein mal anschauen. Ansonsten reicht der Abrieb durch das Kauen von Knochen und Kauartikeln bei uns vollkommen aus! Aber wie gesagt: das begünstigen bei Nala glücklicherweise, zumindest zum Teil, auch die Gene 🙂 .

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4 Comments

  1. Franzi sagt:

    Leider neigt Quando sehr zu Zahnstein:/ er bekommt täglich Kauartikel und wird seid seiner Geburt gebarft. Ich weiß auch nicht warum es bei ihm so stark ausgeprägt ist:(

    • Kiki sagt:

      Hallo liebe Franzi 🙂

      Für Quandos Zahnhygiene macht ihr eigentlich genug, zumindest was die Fütterung betrifft. Leider neigen manche Hunde einfach dazu, schneller Zahnstein anzusetzen. Da kannst du höchstens versuchen, den Zahnstein regelmäßig zu entfernen oder entfernen zu lassen, bevor es zu schlimmeren Entzündungen oder Ähnlichem kommt. Ich weiß, das ist sehr ärgerlich und ungerecht. Aber gerade weil Quando noch so jung ist, würde ich dazu raten.

      Liebe Grüße,
      Kiki

  2. Jasmin sagt:

    Hallo liebe Kiki,

    ein sehr spannender und wichtiger Beitrag!
    Ich beschäftige mich seit dem ersten Tag mit diesem Thema, da gerade kleine Rassen eher zu Zahnstein neigen. Im Verhältnis zum Kopf sind die Zähne nämlich größer, als bei einem großen Hund.
    Außerdem (ich weis nicht, ob es an der Schnauzenform liegt) habe ich schon ganz oft gehört, dass Shelties und Collies zu Zahnstein neigen. Ich habe auch schon häufig auf Fotos ganz üble gelbe Zähne gerade bei dieser Rasse gesehen.
    Deshalb bekommt Bailey ca alle 2 Tage einen Kausnack. Aber wir wollen uns jetzt am Barfen versuchen, wenn wir dabei bleiben ist das für Baileys Zähne sicherlich auch Gold wert.
    Und ich möchte Hundekekse backen. Ich habe letztens gelesen, dass auch harte Kekse dazu beitragen, dass sich der Zahnstein abreibt.

    Ganz lieben Gruß und einen schönen Tag noch!

    Jasmin

    • Kiki sagt:

      Ja, da hast du Recht! Es gibt Rassen, die eher zu Zahnstein und anderen Erkrankungen neigen. Das kann, wie beim Menschen auch, erblich bedingt sein. Daher finde ich es super toll und verantwortungsvoll, dass du dich so gut um die Zahnpflege von Bailey kümmerst! 🙂 Das Barfen wird mit Sicherheit zu einer guten Zahnhygiene beitragen. Und was die Kekse angeht: da bin ich ja ganz gespannt drauf! Wahrscheinlich werden es dann eher härtere Kekse sein, damit der Abrieb größtmöglich ist?! Ich verfolge das mal bei euch! 😉
      Euch auch noch einen wunderschönen Tag! ich hoffe, bei euch scheint die Sonne genauso schön, wie hier bei uns 🙂
      Ganz liebe Grüße,
      Kikia

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