Warum Aufregung unterbunden werden sollte

29.11.2015

Mit Aufregung verbinden die meisten von uns ambivalente Gefühle. Zum einen bedeutet Aufregung etwas Positives, wie Freude oder Vorfreude auf ein tolles Ereignis, wie zum Beispiel auf einen Geburtstag. Zum anderen kann es aber auch Nervosität und Unbehangen bedeuten, wenn man daran denkt, dass man am nächsten Tag eine schwere Prüfung schreiben muss. Ob nun positiv oder negativ: Aufregung ist eine emotionale „Belastung“, die bewältigt werden muss.

Auch unsere Vierbeiner müssen sich mit Aufregung auseinandersetzen. Und die kann, genau wie bei uns Menschen, positiver als auch negativer Natur sein. Im Gegensatz zu uns haben Hunde aber nicht die Möglichkeit, sich bewusst damit auseinanderzusetzen und sich zur Beruhigung ein ätherisches Bad einzulassen, Entspannungsübungen vorzunehmen oder sich gut zuzureden. Daher sollten wir unserem Hund Hilfestellung bieten, wenn wir merken, dass er aufgeregtes Verhalten zeigt und ihn dabei unterstützen diese Situation zu bewältigen.

Wie sich Aufregung äußern kann, möchte ich an ein paar Beispielen erläutern:

Negative Aufregung
Negative Aufregung kann sich zum Beispiel dann äußern, wenn jemand an der Tür klingelt. Das Geräusch kommt plötzlich, da es nicht vorhersehbar ist, dementsprechend erschrecken einige Hunde, denn sie können erst mal nicht einschätzen, was sie erwartet. Mit Sicherheit reagiert ein großer Teil der Hunde auf das Türklingeln auch mit Freude, also positiver Aufregung, da sie das Geräusch schon mit der Ankunft des Herrchens nach Feierabend verknüpft haben oder der Postbote jedes Mal ein Leckerchen zur Begrüßung dabei hat. Passieren diese Dinge doch nicht regelmäßig, sondern willkürlich, ist es erst mal nicht ersichtlich, wer da an der Tür ist. Situationen nicht einschätzen zu können (potentielle Gefahr?) kann zu unsicherem Verhalten führen. An dieser Stelle sollten wir unterstützen und zeigen, dass wir die Situation unter Kontrolle haben. Fängt dein Hund nach dem Türklingeln also an zu bellen, dreht sich im Kreis oder läuft aufgeregt hin und her, dann gib ihm eine Anweisung, um alternatives Verhalten anzubieten. Schicke ihn auf „seinen Platz“ und lass ihn bleiben. Damit diese Abfolge zuverlässig funktioniert, sollte es vorher ausreichend geübt werden. Ich kenne die Situation selbst nur zu gut – es klingelt, der Hund läuft wie verrückt umher, man versucht ruhig zu bleiben und den Hund ins Körbchen zu schicken, das macht er aber nicht. Arrrgh! Bis man es dann endlich geschafft hat, dass der Hund liegt und bleibt, ist der Postbote schon wieder gefahren 😉 . Das ist uns schon mehr als ein mal passiert! Man muss eben konsequent bleiben, damit das auf Dauer funktioniert und zur Not eben auch mal in Kauf nehmen, dass derjenige, der vor der Tür steht etwas länger warten muss. Wenn die Tür erst mal geöffnet wurde, soll dein Hund außerdem weiter auf seinem Platz liegen bleiben, was sehr viel Selbstbeherrschung von ihm erfordert. Dies ist also nichts, was über Nacht funktioniert. Man muss einfach dranbleiben und immer weiter üben. Auch nach über zwei Jahren kommt es ab und zu noch vor, dass Nala aufsteht, während der Besuch gerade reinkommt und sich nicht erst vom Körbchen wegbewegt, nachdem wir das „Bleib“ aufgehoben haben. Ganz wichtige Info an dieser Stelle: jedes Signal muss natürlich auch wieder aufgelöst werden, sonst entscheidet der Hund irgendwann wieder selbst. Und das wollen wir ja eben vermeiden 😉 .
Negative Aufregung kann sich außerdem in Hundebegegnungen zeigen. Jeder kennt die Situation: zwei Hunde kommen sich entgegen und wedeln mit dem Schwänzchen. „Oh, toll! Die Hunde freuen sich und wollen spielen!“ Eheh – falsch! Klar kann Schwanzwedeln auch für Freude stehen und ein Anzeichen dafür sein, dass die Hunde spielen wollen. Das ist jedoch längst nicht der Regelfall. Wedelt der Hund mit der Rute ist das erst mal ein Zeichen für Aufregung. Ob nun positiv oder negativ, das kann man nur der Körperhaltung und der Gesamtsituation entnehmen. Aber es kann eben auch ein Zeichen für Anspannung oder Unsicherheit sein. Oftmals sind in dieser Situation auch die Haare am Nacken und am Rücken aufgestellt. Wenn dein Hund zu aggressiven Auseinandersetzungen neigt, würde ich schon an dieser Stelle eingreifen und mit deinem Hund gemeinsam weitergehen. Es kann natürlich auch sein, dass sich die Anspannung löst und in spielen übergeht. Sollte der Hund aber sehr angespannt sein, würde ich eine Auseinandersetzung nicht unbedingt riskieren. In diesem Fall kann man den Hund beispielsweise mit Leckerchen zum Weitergehen locken, falls er in dieser Situation nicht ansprechbar ist.

Positive Aufregung
Das Beispiel, das mir als erstes zu positiver Aufregung einfällt, ist das Thema Futter. Wie kann es auch anders sein, wenn man einen Labbi hat, dessen Highlight des Tages es ist endlich gefüttert zu werden und jeden einzelnen essbaren Krümel in der Wohnung wie ein Staubsauger in sich zu inhalieren versucht 😉 . Wenn ich Nalas Futter zubereite, rennt sie mir aufgeregt hinterher, wedelt wie verrückt mit ihrem Schwänzchen und dreht sich auch manchmal im Kreis. Das ist zwar positive Aufregung, aber nicht unbedingt positiv. Nala empfindet dann Vorfreude auf das Futter, sie ist dann aber trotzdem so aufgeregt, dass es ihr sehr viel schwerer fällt, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Wenn man mit dem Hund unterwegs ist, kann das sehr von Nachteil sein. Daher stelle ich ihren Futternapf auf den üblichen Platz und lasse sie jedes Mal für unterschiedlich lange Zeit in zwei Meter Abstand warten, bis ich ihr das Kommando zum Fressen gebe. So löst sich die Aufregung wenigstens kurz und sie stürzt sich nicht sofort auf das Futter und schlingt auch nicht so stark. Außerdem kann es sein, dass sich futteraggressive Hunde weniger stark gegen andere richten, wenn die Aufregung vorher so weit wie möglich reduziert wird.
Positive Aufregung kann sich auch im Spiel wiederfinden. Klar spielen Hunde aus Spaß und haben Freude daran. Gerade jüngere Hunde üben im Spiel aber auch andere Verhaltensweisen, wie jagen oder kämpfen um zu lernen und für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Daher kann es passieren, dass das Spiel irgendwann kippt und in eine Auseinandersetzung übergeht. Wenn der Hund aber ruhig und enstpannt ins Spiel geht, ist das Risiko dafür sehr viel geringer, als wenn er das Spiel überdreht und aufgeregt startet. Dann kommt es sehr schnell zu Übersprungshandlungen (ein Verhaltensmuster, das in diesem Zusammenhang untypisch ist und nicht in die Verhaltensabfolge passt) oder die anderen Hunde dulden die Aufregung nicht und korrigieren sich womöglich selbst untereinander, was wiederum zu Auseinandersetzungen führen kann. Dazu muss man wissen, dass Tiere nach Ausgeglichenheit und Ruhe innnerhalb ihres Sozialverbandes suchen. Aufregung bedeutet immer Auseinandersetzung und Stress.

Wird dem Hund kein Ausweg, kein Alternativverhalten angeboten, kann es sein, dass es zu Übersprungshandlungen kommt. Was das genau ist und was es für dich und deinen Vierbeiner bedeutet, das erkläre ich dir in meinem nächsten Blogpost 🙂 .

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