Übersprungshandlung

07.12.2015

Im vorletzten Blogpost ging es um das Thema Aufregung und warum sie unterbunden werden sollte. Dabei habe ich auch die sogenannten Übersprungshandlungen angesprochen. Nur zum vollständigen Verständnis der Thematik möchte ich dies hier ein mal kurz erläutern.

Übersprungshandlungen sind normal und finden sich sowohl in der Menschen- als auch in der Tierwelt wieder. Übersprungshandlungen oder Übersprungsbewegungen bezeichnen Verhaltensmuster, die unerwartet auftreten und nicht in die gerade stattfindende Situation passen. Klingelt es zum Beispiel an der Tür, will der Hund instinktiv herausfinden, was los ist, wer da ist, um eine mögliche Gefahr auszuschließen. Gleichzeitig bekommt er von seinem Herrchen das Kammondo, auf seinen Platz zu gehen und dort zu bleiben. Beide Anforderungen lassen sich nicht miteinander vereinen. Ist diese Konfliksituation zu groß, kann es sein, dass sich der Hund ein „Ventil“ sucht, um mit dem aufgestauten Druck der Konfliktsituation klarzukommen. Es kann zum Beispiel sein, dass er sich im Kreis dreht. Durch die Bewegung versucht er den Druck loszuwerden und durch die Dauer dieser Aktion Zeit zu schinden. Es wird also eine Handlung gewählt, die weder mit der einen (zur Tür kommen und schauen, wer da ist), noch mit der anderen (im Körbchen liegen bleiben, weil Herrchen das gesagt hat) zusammen hängt. Einem der beiden möglichen Ziele kommt der Hund dadurch zwar erst mal nicht näher. Durch den Druckabbau kann es aber sein, dass er sich nach der Übersprungshandlung eher für das Körbchen entscheidet, da ein Teil der Aufregung durch die Bewegung ja schon abgebaut werden konnte. Eine Übersprungshandlung ist also ein Versuch der Konfliktbewältigung.

Übersprungshandlungen sind also an sich nichts Schlimmes, zeigen jedoch, dass ein Hund Probleme bei der Bewältigung einer Aufgabe oder einer Situation hat. Bezogen auf den Beitrag über Aufregung, macht es also Sinn, die Aufregung so gering wie möglich zu halten, um den Konflikt im Besten Fall gar nicht entstehen zu lassen.

Die beschriebene Situation mit dem Türklingeln ist natürlich nur ein Beispiel. Diese Situation führt längst nicht bei allen Hunden zu Übersprungshandlungen. Wenn der Hund daran gewöhnt ist, in seinem Körbchen zu bleiben, wenn es klingelt, dann sollte das überhaupt kein Problem darstellen. Man kann auch vorher nicht genau sagen, wann es zu Übersprungshandlungen kommt und wann nicht. Das ist von Hund zu Hund und von Situation zu Situation unterschiedlich. Es ist nur wichtig, dass man diese plötzliche Verhalensweise versteht. Es bedeutet also nicht, dass dein Hund „komisch“ ist oder „verrückt“ 😉 . Es bedeutet einfach nur, dass er versucht die Situation zu bewältigen.

Noch ergänzend: die Thematik Übersprungshandlungen habe ich hier sehr vereinfacht dargestellt. Aus wissenschaftlicher Sicht steckt da ein weitaus komplexeres System hinter. Ich finde aber, dass für uns hier diese Informationen für das Verständnis von Aufregung genügen 🙂 .

2 Comments

  1. Melissa sagt:

    Hallo liebe Kiki 🙂 ,
    zunächst mal möchte ich mich bei dir für diesen wundervollen Blog bedanken. Die Beiträge sind sehr hilfreich und toll geschrieben. Normalerweise überfliege ich ja Blogeinträge, aber deine lese ich gerne aufmerksam bis zum Schluss durch und würde sogar gern noch weiterlesen. 🙂 Oh und deine Livestreams auf Instagram sind der Hammer! Auch dafür vielen Dank! 🙂 Besonders dieser und der letzten Eintrag spricht mich gerade sehr an. Ich habe Fragen und ich hoffe du nimmst mir das nicht allzu übel, wenn ich dich das hier Frage.
    Unser Junghund ist vom Wesen her eigentlich ein super entspannter Kerl. Wir wohnen Beispielsweise im Erdgeschoss einer Großstadt und ihm interessiert es überhaupt nicht, wer an der Wohnung vorbei läuft oder um welchen Lärm es sich handelt. Allerdings ist seid kurzer Zeit folgendes aufgetreten, nämlich, wenn er an der Leine oder auch frei ist, dann fixiert er entweder Hunde an oder zieht extrem zu ihnen hin. Das macht er nicht ständig, denn manchmal kann ich ihn mit Futter locken. Nur ist er manchmal überhaupt nicht mehr ansprechbar. Habe es auch schon mit besonderen Leckereien versucht, bin zu ihm runter, hab mich vor ihn gestellt, hab ihn sitzen lassen bis der Hund vorbei war.. Bei manchen Hunden reagiert er so total extrem. Kannst du uns Ratschläge geben? Ich möchte ihn besser verstehen und wissen warum er das macht, was in ihm vorgeht. Was bedeutet dieses fixieren? Aufregung?
    Außerdem sind wir auf der Suche nach Spielpartnern die geeignet für ihn sind und mit denen wir uns auch hin und wieder verabreden können. Wie sieht denn so idealer Kontaktablauf/Spielen zwischen Hunden aus? Ich konnte nicht ganz verstehen wie eine Übersprungshandlung aussehen kann, wenn Hunde bspw. spielen. Kannst du das bitte besser erläutern? Es ist uns wichtig, dass er möglichst ausgeglichene Beziehungen hat.
    Ich Danke Dir vielmals 🙂 Wenn das nicht hier her gehört, dann tut es mir leid.
    Liebe Grüße, Melissa 🙂

    • Kiki sagt:

      Hallo liebe Melissa 🙂

      Erst ein mal vielen Dank für deine lieben Worte! Es freut mich sehr, dass dir der Blog und die LiveStreams gefallen 🙂
      Klar kannst du immer gerne Fragen stellen! Beim nächsten mal geht es aber schneller, wenn du mir eine E-Mail scheibst. Dann sehe ich das auch früher und kann eher antworten 😉

      Für mich ist es aus dieser Distanz etwas schwer, die Situation einzuschätzen, warum dein Hund nun mit dem Fixieren und Ziehen an er Leine angefangen hat. Selbst, wenn man als Hundehalter schon aufmerksam beobachtet, fallen einem als Trainer vor Ort meist noch sehr kleine aber wichtige Unterschiede auf, die einem im Alltag selbst einfach nicht mehr so sehr auffallen. Daher kann ich dir leider keine sichere Prognose geben. Was mir aber einfällt ist folgendes: im Moment sind wieder viele Hündinnen läufig. Wenn er erst vor kurzem angefangen hat, dieses Verhalten zu zeigen, ist das womöglich der Grund. Wichtig wäre auch zu wissen, wie er fixiert? Und wie er sich den anderen Hunden gegenüber verhält, wenn ein Zusammentreffen stattfindet. Ist er zB freudig aufgeregt oder macht er sich groß und ist sehr aufdringlich? Zieht er die Lefzen hoch oder droht? Das alles sind wichtige Indizien, die du genau betrachten solltest, um die Situation besser zu verstehen. Denn erst, wenn man die Ursache für das Verhalten erkennt, kann man auch dementsprechend sinnvoll handeln und gegenarbeiten. Fixieren kann unter Anderem auch eine Abwehrhaltung sein. Das sieht man auch häufig bei kleineren Hunden, die gelernt haben, schon mal von Vornherein klar zu machen, andere Hunde auf Abstand zu halten. Weil ihnen oftmals auf Grund der Größe die körperliche Kraft zur Zurwehrsetzung nicht ausreicht. Daher bellen kleine Hunde meistens auch mehr als Große 😉

      Der optimale Kontakt sowie eine Übersprungshandlung können bei Hunden ganz unterschiedlich aussehen. Eine Übersprungshandlung muss auch nicht zwingend etwas schlechtes bedeuten, sondern kann auch erst mal heißen, dass Aufregung abgebaut werden muss. Das kann sich zB im sich im Kreis drehen äußern oder an Spielaufforderungen, die sich aber schnell überladen. Spielpartner kann man leider nicht erzwingen. Wie bei Menschen auch. Da spielt auch Sympathie eine Rolle. Gut ist es, wenn sich beide respektvoll nähern und sich freundlich zum Spiel auffordern. Wenn sie sich im Spiel abwechseln (zB bei Jagdspielen) und evtl auch mal zwischendurch das Spiel unterbrechen können. Die Hunde sollten nicht aufdringlich zueinander werden. Daran könnte man ein gutes Spiel erkennen.

      Ich hoffe, das hilft dir weiter! Falls du noch Fragen hast, melde dich ansonsten gerne noch mal per EMail! –> info@coach-dich-wuff.de

      Viele liebe Grüße,
      Kiki

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