Warum man Hundebegegnungen an der Leine vermeiden sollte

18.11.2016

Wir feiern diese Woche Blog-Jubiläum! 🙂 Seit genau einem Jahr versuche ich euch schon rund um Themen zur Hundepsychologie, zum Training und Geschichten von Nala und mir auf dem Laufenden zu halten. Dabei hat sich der Schwerpunkt zwar nach und nach etwas verlegt. Was sich allerdings nicht verändert hat, ist euer Interesse an Tipps rund um das Thema Leinenführigeit. Neben BARF ist es das hier auf dem Blog am meisten gelesene Thema. Daher gibt es zum Jubiläum einen Beitrag als Ergänzung zu dieser Reihe.

Warum man Hundebegegnungen an der Leine vermeiden sollte?

Diese Frage habe ich mir vor kurzem das erste Mal gestellt. Eigentlich habe nicht ich die Frage gestellt, sondern mein Hunderainer vor ein paar Monaten im Grundlagenkurs in der Hundeschule. Ehrlicherweise hatte ich mir darüber bislang keine intensiven Gedanken gemacht. Man kennt das halt so. Leute begegnen einem beim Spaziergang, die Hunde beschnuppern sich. Entweder geht man dann weiter, die Hunde fangen an zu spielen, sie werden verbellt oder es gibt eine hitzige Auseinandersetzung. Meistens trifft einer dieser Fälle zu. Habt ihr euch jemals gefragt, warum wir den Kontakt an der Leine zulassen? Fragt man die Leute das, werden die meisten Hundehalter antworten „um zu spielen“ oder „um Sozialkontakte zu pflegen“.

Missverständnisse an der Leine

Tatsächlich ist es so, dass die Leine, bzw. wir am anderen Ende der Leine, jeden einzelnen dieser Punkte verhindern:

Spielen kann der Hund nicht vernünftig an der Leine, oder? Wer kennt nicht das Leinengewirr, das nach der Beschnupperaktion oder der Andeutung eines Spielversuches erst einmal entwirrt werden muss 😉 . Wir finden das nervig und unser Hund? Na so richtig kommt der auch nicht zum Zug. Spielen an der Leine ist also nicht wirklich drin.

Was ist mit den Sozialkontakten? Hier möchte ich gerne ein ganz großes Missverständnis aufklären. Ja, Hunde beschnuppern sich und nehmen über den Geruch des Gegenübers sämtliche Informationen über Alter, Geschlecht, Paarungsbereitschaft und Gesundheit auf. Letzlich spielt bei der Begegnung und dem Gesamteindruck auch Sympathie eine Rolle. Was allgemein behauptet wird, ist dass sich so auch direkt der „Rang“ der beiden Hunde zueinander klärt. Hunde müssen sich nicht (erst) beschnuppern, um den „Rang“ zu klären. Wir laufen ja schließlich auch nicht durch die Gegend und klären mit jedem Menschen den wir sehen ab, wer dem anderen „überlegen“ ist oder fragen ihn nach Alter, Familienstand, Beruf und Hobbies. Ein Hund braucht das ebenso wenig 😉 . Eine Rangfolge bildet sich bei einem Hund erst aus, wenn die Hunde mehrmals aufeinandertreffen, also eine Beziehung zueinander aufbauen, sich kennenlernen und sich regelmäßig sehen. Dann kann es einen festen Rang zwischen den beiden geben. Dieser ist dann übrigens nicht zwingend für immer geklärt und kann sich im Laufe der Zeit wieder ändern. Also das Thema ist so umfangreich, da könnte ich schon fast einen extra Blogpost zu schreiben 😉 . Um es hier aber auf’s Wesentliche zu konzentrieren: Hunde müssen beim Spaziergang nicht andere Hunde beschnuppern, um eine Rangfolge zu klären. Was durchaus sein kann, ist dass sich zwei Hunde zum Beispiel schon von weitem beobachten oder sich fixieren und somit Dominanz oder Überlegenheit ausstrahlen. Dominanz ist aber bitte nicht mit der Rangfolge zu verwechseln 🙂 .

Es müssen also nicht zwingend Sozialkontakte an der Leine stattfinden, da der Hund durch die Leine eingeschränkt ist. Weitere Interaktionen wie Spielen, Auseinandersetzungen oder bei „Gefahr“ zu flüchten, vielleicht auch sich zu wehren, sind an der Leine nicht möglich.

Was mich zu meinem nächsten Punkt bringt: warum sollte ich meinen Hund einer Gefahr aussetzen, nur um ihn „mal schnuppern“ zu lassen? Zugegeben, das hört sich schon sehr drastisch und übertrieben an 😉 . Tatsache ist aber, dass viele Hundehalter die meisten Interaktionen unter Hunden missdeuten. Kleine Hunde werden an der Leine hochgezogen, um dem vermeintlich bösen, großen Hund zu entkommen. Kein Scherz – ein Beispiel von letzter Woche: Nala und ein kleiner Havaneser haben sich – an der Leine – beschnuppert. Nala fand den Hund toll und hat eine plötzliche Spielaufforderung gemacht, indem sie den Oberkörper zu Boden führte, sich quasi vorne hinunterbeugte. Ich denke, jeder weiß, was ich meine 😉 . Der Besitzer des kleinen Havanesers hat sich so erschreckt, dachte Nala würde seinen Hund angreifen wollen, und hat seinen Hund an der Leine hochgezogen (!), damit ihm ja nichts passiert. Die Angst von Hundebesitzern mit kleinen Hunden kann ich durchaus nachvollziehen, aber mit so einer Aktion tut man seinem Hund bestimmt keinen Gefallen.
Weiterhin wird jedes verbale Geräusch, das der Hund von sich gibt, direkt mit aggressivem Knurren verwechselt, mit der Leine ins Geschehen eingegriffen, weil man seinen Hund ja vor Bissen und Verletzungen beschützen möchte, und nimmt seinem Hund die Möglichkeit eigenständig zu interagieren. Ich persönlich sehe das so: in brenzligen Situationen sollte man auf jeden Fall eingreifen, um seinen Hund zu schützen! Sofern man die Situation denn richtig einschätzen kann. Niemals sollte man riskieren, sich selbst zu verletzen!

Was ich letztendlich mit all den Punkten sagen will: bei Begegnungen mit anderen Hunden schafft die Leine mehr Probleme, als dass sie zu einer guten Leinenführigkeit beiträgt. Doch dafür ist die Leine doch eigentlich gedacht, oder?

Was lernt der Hund tatsächlich an der Leine?

Tatsächlich lernt der Hund an der Leine zu ziehen. Warum sollte man sich diese Baustelle aufmachen, versucht man doch tagtäglich seinem Hund das brave „Bei-Fuß-gehen“ oder zumindest das „Nicht-an-der-Leine-ziehen“ beizubringen. Hundekontakte bedeuten eventuell Freude, in jedem Fall Aufregung für den Hund. Und Aufregung muss immer auf eine Art abgebaut werden. In den meisten Fällen wird schon vor Vorfreude zu dem anderen Hund hingezogen. Oder es wird ein großer Bogen um den anderen Hund gemacht, weil bei der letzten Begegnung eine unangenehme Erfahrung gemacht wurde.

Wie wir die Situation handaben

Hundebegegnungen an der Leine komplett zu vermeiden, ist meiner Meinung nach so ziemlich unmöglich. Gerade Hundehalter, die städtischer leben, können das bestimmt bestätigen. Die Wege sind schmal, man kann nicht ausreichend Abstand zum entgegenkommenden Hund mit Halter einhalten und nicht selten bleiben eben diese auch von selbst stehen, um kurz „hallo“ zu sagen. Die Hunde fangen schon im Vorbeigehen an sich zu beschnuppern und man selbst denkt sich: „Toll, jetzt kann ich auch eben stehen bleiben…“ 😉 .

Natürlich lassen wir bei Nala auch Hundebegegnungen zu. Hundefreunde von Nala dürfen immer beschnuppert werden, allerdings tritt in diesen Fällen dann das Leinengewirr auf. Ist man zufällig in der Nähe eines Parkes, sollte man sich besser verabreden, um die Hunde dort ohne Leine spielen oder sich kennenlernen zu lassen. Sie sind dann durch die Leine nicht eingeschränkt und verhalten sich dementsprechend auch anders. Denn der Hund versteht sehrwohl, ob er angeleint ist und was die Einschränkung an der Leine für ihn bedeutet.

In den meisten Fällen gehe ich mit Nala an anderen Hunden vorbei. Manchmal muss man sich zwar dafür einen dummen Kommentar der anderen Hundehalter anhören, manchmal habe ich auch das Gefühl, sie fühlen sich dann zurückgewiesen oder dass ihr Hund nicht „gut genug“ sei, um mit Nala zu spielen. Das finde ich schade, denn das ist in den aller meisten Fällen nicht der Fall. Beziehungsweise, was heißt schon „gut genug“? Wenn ich schon von weitem sehe, dass die beiden sich entgegenkommenden Hunde fixieren, sich groß machen und ganz angespannt werden, dann gehe ich der Konfrontation natürlich erst recht aus dem Weg.

Fazit

Ich bin mir sicher, dass viele, viele Hunde und Halter mit durchweg positiven Erfahrungen an Hundebegegnungen an der Leine durchs Leben gehen. Und das ist auch gut so. Es spricht an sich nichts dagegen und jeder sollte das so handhaben, wie er es für richtig hält und wie es sich für sich und seinen Hund am besten anfühlt 🙂 . Um einigen Problemen im Leinenführigkeitstraining auf den Grund und zukünftig aus dem Weg gehen zu können, möchte ich auf diese Aspekte einfach hinweisen.

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen und das Thema mal von einer anderen Seite beleuchten.

Nala und ich wünschen euch ein schönes Wochenende! ❤️

1 Comment

  1. Liebe Kiki,
    ich bin da ganz auf deiner Seite. Begegnungen mit Hunden an Leinen sind unnötig und stressen alle Beteiligten mehr, als dass sie etwas bringen. Auch ich lasse den Zwerg an der Leine maximal befreundeten Hunden Hallo sagen. Aber selbst das versuche ich zu vermeiden. Dann lieber ein richtiges Playdate vereinbaren, bei dem die Hunde leinen- und sorgenfrei über die Wiese toben und spielen können. 🙂

    Leider treffen aber auch wir nicht zu selten auf fremde Mensch-Hund-Gespanne, die einfach mitten auf dem Gehweg stehen bleiben und unser Herankommen abwarten. Das ist furchtbar. Ich frage mich dann immer, wie man als Mensch auf diese Gedanken kommt, einfach stehen zu bleiben. Man kann den entgegen kommenden Hund doch gar nicht einschätzen. Und wie der entgegen kommende Halter die Sache bewertet und empfindet, das kann man auch nicht wissen. Warum also bleiben so viele Leute einfach stehen und „provizieren“ Begegnungen an der Leine?! Ich tippe nach wie vor, auf allgemeines Unverständnis. Welches gerade bei der älteren Bevölkerung noch weit verbreitet ist. Die alten Damen und Herren brödeln alleine mit ihren Hunden in ihrem Leben herum und denken dann, ihren Vierbeiner etwas Gutes zu tun, wenn sie diese an andere Hunde heran lassen. Blöder Trugschluss, wenn du mich fragst. Aber die wenigsten sind bereit, sich die Tatsachen erklären zu lassen. 🙁

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