FAQs zum sicheren Rückruf

05.05.2017

Letzte Woche habe ich auf Instagram (@kiki_und_nala) und Facebook (coach dich wuff) gezeigt, wie wir unseren sicheren Rückruf aufbauen und euch per Insta-Story mitgenommen. Das Video habe ich euch auf bei Facebook zur Verfügung gestellt, damit ihr es euch auch weiterhin ansehen könnt.

Da ich das Thema super wichtig finde und es meiner Meinung nach zu den Basis-Signalen im Hundetraining gehört, die jedes Mensch-Hund-Team beherrschen sollte, gehe ich hier noch mal auf die von euch am häufigsten gestellten Fragen ein 😊 .

Wie wir den Rückruf aufbauen, könnt ihr hier nachlesen. Vielleicht noch vorab zur Info: wir arbeiten mit einem „Jackpot“, also einer ganz besonderen Belohnung, in unserem Fall Leberwurst, die in ein kleines Döschen, das „Jackpot-Döschen“ gefüllt wird.

1. Woher ist die Jackpot-Dose?

Wir haben die Dose damals in der Hundeschule bekommen aber natürlich habe ich für euch recherchiert und herausgefunden, dass sich diese Dose „Unguator-Kruke“ nennt 😉 . Dieses bekommt ihr über diesen Link bei Amazon oder aber, und wahrscheinlich auch etwas preiswerter, in der Apotheke. Alternativ gibt es richtig coole Futtertuben für Hunde. Da passt dann auch etwas mehr rein. Und die sind sogar extra fürs Hundetraining und nicht für irgendwelche Cremes aus der Apotheke gedacht 😉 .

2. Hast du den Jackpot immer dabei?

Nein, ich trage den Jackpot nicht immer bei mir. Ich stecke ihn nur ein, wenn ich große Runden mit Nala unterwegs bin und wenn ich weiß, dass ich sie von der Leine lassen werde. Und auch dann denke ich nicht jedes Mal daran, das Döschen einzupacken oder habe einfach nichts zuhause, womit ich die Jackpot-Dose befüllen könnte. Wenn also keine Leberwurst da ist und folglich keine Jackpot-Belohnung, dann übe ich den Rückruf einfach nicht. Achtung: Nala und ich befinden uns auch nicht mehr im Training! Für alle, die den Rückruf noch einüben gilt es, den Jackpot IMMER dabei zu haben! Ganz wichtig 😊 .
Sollte es doch mal von Nöten sein, dass ich Nala abrufen muss, dann belohne ich sie stattdessen mit einer Handvoll Leckerlis. Hier macht dann zwar nicht das Leckerli selbst die besondere Belohnung aus, sondern die Menge.

3. Was ist, wenn du den Jackpot nicht dabeihast? Benutzt du dann „Hier“?

Ich benutze den Rückruf auch, wenn ich den Jackpot nicht dabeihabe. Dann aber nur in Ausnahmefällen. „Hier“ oder „Komm“ ist nicht mit dem Rückruf zu vergleichen, da der Rückruf auch gleichzeitig einen Abbruch des Verhaltens abverlangt. „Hier“ oder „Komm“ würde ich daher nur benutzen, um den Hund über eine sehr kurze Entfernung von ein paar Metern an sich heran zu rufen. Der Rückruf eignet sich besser auf längeren Distanzen.

4. Kann man den Jackpot auch einsetzen, wenn die Hunde jagen?

Ja, denn genau für solche Situationen wird der Rückruf trainiert. Man sollte sich aber nicht nur auf den Rückruf verlassen und mit Anti-Jagd-Training entgegenwirken. Der Rückruf sollte außerdem erst dann eingesetzt werden, wenn du dir zu mindestens 80% sicher sein kannst, dass dein Hund auch in der Situation auf den Rückruf reagiert. Denn jeder Misserfolg mindert die Bedeutung deines Rückrufes ab. Wie in jeder Trainingssituation startest du das Training in reizarmer Umgebung. Immer wenn das Verhalten zuverlässig abrufbar ist, steigerst du den Umgebungsreiz. Das heißt, du trainierst anfangs bei dir im Garten, dann z.B. auf einer Wiese, die wenig Ablenkung liefert. Den Hund mit dem Rückruf vom Jagen abzuhalten steht bei vielen Hunden wohl ganz oben auf der Schwierigkeitsgrad-Skala 😉 . Daher muss der Rückruf vorher wirklich sehr, sehr zuverlässig funktionieren, bevor du ihn in solch schwierigen Situationen anwendest.

5. Wie reagierst du, wenn dein Hund nicht kommt? Rufst du weiter, gehst du weg, gehst du zu deinem Hund hin oder versteckst du dich sogar?

Nein, nein, nein und nein 😉 . Im Optimalfall kommt diese Situation natürlich erst gar nicht oder zumindest sehr selten vor. Im Training wird es aber definitiv mindestens einmal passieren, dass du den Rückruf benutzt und dein Hund nicht kommt. Sollte das der Fall sein, lässt du die Situation unkommentiert und gehst einfach weiter. Benutzt du jetzt ein anderes Signal oder dein Wort für den Rückruf noch mal, dann läufst du Gefahr, dass du dir deinen mühselig aufgebauten Rückruf kaputt machst. Zumindest solltest du darauf verzichten, solange ihr euch noch im Trainingsmodus befindet. Dein Hund ist dann immer noch dabei, zu erlernen, was dein Rückrufsignal überhaupt für ihn bedeutet. Durch positive Erfahrungen lernt er, das Verhalten zukünftig häufiger auszuführen. Durch Misserfolge lernt er, das Verhalten zukünftig weniger bis gar nicht mehr auszuführen. Wenn du deinen Hund in dieser Situation also maßregelst, wird der Rückruf in Zukunft also schlechter bis gar nicht mehr funktionieren. Und das darf auf gar keinen Fall passieren. Weiterhin ist es dem Hund gegenüber unfair, da er noch überhaupt nicht verstehen kann, wofür er denn jetzt bestraft wird.
Sollte dein Hund im Training also nicht auf das Rückrufsignal hören, versuche es ein paar Minuten später einfach erneut. Sollte die Situation jedoch öfters aufkommen, gehe besser einen Trainingsschritt zurück und übe das Verhalten in der nächsteinfacheren Situation bzw. nächsteinfacheren Umgebung.

6. Belohnst du deinen Hund auch, wenn er nicht nach 1-2 Sekunden direkt reagiert aber dann kommt?

Eigentlich solltest du dir vorher überlegen, was du von deinem Hund erwartest und in deiner Zieldefinition ganz genau festlegen, wie viel Reaktionszeit du deinem Hund lässt, bis er das Signal ausführt. Für mich sind das im Optimalfall ein bis zwei Sekunden. Man muss hier aber auch etwas differenzieren. In einer Situation, in der der Hund einfach nur zehn Meter vor uns läuft, weder jagt, noch schnuppert, noch anderweitig abgelenkt ist, sollte er innerhalb dieser ein bis zwei Sekunden auch reagieren und zu mir zurückgelaufen kommen. Braucht er länger dafür, führt die Handlung aber trotzdem korrekt aus, dann gibt es nur ein verbales Lob, nicht aber den Jackpot. Wenn mein Hund allerdings 30 Meter von mir entfernt seinen Kopf in einen Maulwurfshügel steckt und buddelt oder z.B. einem Kaninchen hinterherjagt, dann ist die Ablenkung natürlich viel, viel größer und der Schwierigkeitsgrad entsprechend höher. Wenn Nala dann erst nach drei oder vier Sekunden alles stehen und liegen lässt und zu mir zurückgelaufen kommt, dann freue ich mich natürlich! Das ist eine super Leistung und dann bekommt sie auch dafür den Jackpot. Es ist also auch eine Ermessensentscheidung und auch davon abhängig, ob ihr euch noch im Trainingsmodus befindet oder der Hund den Rückruf schon zuverlässig ausführen kann.

7. Habt ihr den Rückruf am Anfang an der Schleppleine geübt?

Ja. Zu dem Zeitpunkt, als wir das Rückruftraining gestartet haben, war Nala nur noch an der Leine. Entweder an der Führleine, oder an der Schleppleine. Das hat einen ganz einfachen Grund: wenn der Rückruf zuverlässig funktionieren soll, musst du gewährleisten können, dass er auch durchgeführt wird, wenn du dein Signal gibst. Wenn dein Hund die Möglichkeit hat wegzulaufen, dann wird er das, zumindest zu Anfang, auch tun, wenn sich plötzlich ein Hase nähert. Ich muss dazu sagen, dass das Schleppleinentraining auch generell dazu gedacht war, den Hund ohne Leine zu „kontrollieren“ und ihm beizubringen, sich nicht über die Distanz der Schleppleine hinaus (also 10 Meter) zu entfernen, aber es hat auch wesentlich zum Rückruf beigetragen und würde ich jedem nur empfehlen! Als der Rückruf dann relativ gut saß, haben wir Woche für Woche jeweils einen Meter der Schleppleine abgeschnitten und sie so nach und nach ausgeschlichen.

8. Wenn ich den Hund erst ins Sitz schicke, wird der dann nicht fürs Sitz belohnt und nicht fürs Kommen?

Das haben einige von euch total gut erkannt! Hier meine Erklärung dazu: Du gibst deinem Hund nicht das Kommando „Sitz“, also gibst weder dein Hörzeichen („Sitz“) noch dein Sichtzeichen (erhobener Finger), sondern beendest die ganze Verhaltenskette durch die Armbewegung, mit der du deinen Hund ins Sitz führst. Damit wird der Hund für die ganze Handlung belohnt. Das Training wird ja so aufgebaut, dass du anfangs nur dein Wort für den Rückruf sagst und daraufhin direkt die Belohnung folgt. Hier findet ja schon die Verknüpfung statt. Nach und nach baut man die Zeitspanne zwischen dem Wort, das du für den Rückruf benutzt, und der Belohnung, also dem Jackpot, also aus. Daher ist es auch nicht weiter bedenklich, wenn du durch die Armbewegung deinen Hund als Zwischenhandlung zu dir ins Sitz holst. Wichtig ist auch eigentlich nur, dass dein Hund lernt, dass es sich lohnt und eine tolle Belohnung gibt, wenn er kommt. Du musst deinen Hund auch nicht zwingend neben dir sitzen lassen. Er kann auch vor dir stehen bleiben, wenn du das möchtest. Neben dir im Sitz lässt sich die Situation nur besser kontrollieren.

Ich hoffe, das konnte euren Wissensdurst etwas stillen 😊 . Ich freue mich total darüber, dass so viele von euch daran interessiert sind, einen sicheren und zuverlässigen Rückruf aufzubauen! Da ich es so sooo wichtig finde! Vielen lieben Dank auch für euer Feedback zum Rückruf über Instagram! Und jetzt wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Üben! 😊

3 Comments

  1. Nicole sagt:

    Hallo!
    Ich finde deinen Blog total interessant!
    Den Bericht zum Aufbau des sicheren Rückrufs habe ich schon vor einigen Wochen gelesen.
    Jetzt dachte ich mir gerade, ich versuche das einfach mal auf eure Art. Auch wenn wir keine größeren Probleme dabei haben, wäre es ja toll, wenn es danach noch besser funktionieren würde. 🙂
    Leider klappt aber der Link nicht und ich finde plötzlich nichts mehr dazu.
    Kann das sein? Könntest du mir vielleicht einen Link schicken?
    Ich würde mich freuen und bin schon ganz heiß aufs Training. 🙂

    Viele Liebe Grüße
    Nicole

  2. Dennis Bauer sagt:

    Hier erhält man wirklich sehr hilfreiche Tipps. Ich habe schon einiges umgesetzt und sehe die ersten Erfolge.
    Mein Chicco hört immer besser auf mich, wenn auch noch nicht 100%ig (falls das überhaupt geht).
    Es ist aber sehr viel besser geworden und ich werde weiter die Übungen mit ihm durchziehen.

    Vielen Dank für die Hilfe!
    Grüße Dennis

    • Kiki sagt:

      Das freut mich sehr! Vielen lieben Dank, Dennis, für dein positives Feedback 🙂
      Zu 100% wird der Rückruf – aus meiner Sicht – wohl nie funktionieren. Aber 95% ist schon ein sehr, sehr guter Richtwert 😉
      Weiterhin ganz viel Erfolg und vor allem Spaß beim Üben!

      Liebe Grüße 🙂

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