BARF – Wie erstelle ich einen Ernährungsplan?

23.02.2017

Wenn die Entscheidung zu Barfen erst einmal gefallen ist, stehen (gefühlt) die größten Hürden erst noch vor einem: Wie und wo fange ich an? Was soll ich überhaupt füttern und wie viel? Wo beziehe ich mein Fleisch und was kostet mich das Ganze? In dem Artikel BARF einfach erklärt findet ihr eine Zusammenfassung über alle Komponenten, die zum Barfen dazugehören. Wenn ihr über diesen Schritt schon hinaus seid, findet ihr hier einen Ratgeber zum nächsten Schritt: der Erstellung eines Ernährungsplanes.

Soll ich den Plan selbst erstellen oder lieber erstellen lassen?

Einen Ernährungsplan selbst zu erstellen setzt voraus, dass man sich vorher ausreichend in die Thematik eingelesen hat und weiß, welche Komponenten man berücksichtigen sollte. Hat der Hund besondere Bedürfnisse oder Allergien, dann würde ich natürlich dazu raten, einen Ernährungsberater hinzuzuziehen. Auch das Alter und die Größe des Hundes sowie Kastration spielen eine Rolle. Sollte eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegen und etwa aus diesem Grund auf BARF umgestellt werden, so würde ich ebenfalls auf einen erfahrenen Berater zurückgreifen.

Mit Nala habe ich es so gemacht, dass ich mich umfangreich informiert habe und mir den Plan anschließend selbst zusammengestellt, allerdings mit dem Plan einer lieben Freundin mit einer Labradorhündin mit gleichem Gewicht, verglichen habe, um einen etwaigen Richtwert zu haben. Den Plan habe ich etwas angepasst und nach und nach für Nala optimiert.

Im Zweifelsfall würde ich immer den Berater vorziehen. Da es aber bestimmt einige Hundehalter gibt, die noch nicht wissen, ob BARF auf Dauer in Frage kommt und sich erst mal ausprobieren wollen, kann ich es sehr gut verstehen, wenn man das Geld lieber in das BARF an sich stecken möchte und nicht in den Plan. Ich bin an dieser Stelle etwas zwiegespalten 😉 . Einserseits möchte ich euch raten, mit er Erstellung des Planes nicht zu locker umzugehen. Andererseits bin ich auch der Meinung, dass man sich mit der Erstellung des Planes nicht zu sehr unter Druck setzen sollte. Wie vor kurzem noch die Besitzerin eines BARF-Ladens zu mir meinte: „Wer versichert dir denn, dass das Trocken- oder Nassfutter, das du fütterst, perfekt auf deinen Hund abgestimmt ist und ihm alle Nährstoffe liefert, die er braucht?“ Niemand. Und damit hat sie auch Recht.

Welche Faktoren im Futterplan berücksichtigt werden sollten

Die Menge an Futter (meist pro Woche angegeben) wird über den prozentualen Anteil des Körpergewichtes des Hundes bestimmt. Dieser sollte zwischen 2% -3% betragen. Ist der Hund eher schlank und sehr aktiv, kann man es ruhig mit 3% versuchen. Ist der Hund eher träge und „vollschlank“, so sollte sich der Wert eher bei 2% – 2,5% einordnen. Ein 20kg schwerer Hund mit normalem Gewicht und mittlerer Aktivität würde also (20.000g / 100 * 2,5% = 500) 500g pro Tag bekommen.
Achtung: die Angaben gelten nur für ausgewachsene Hunde. Ein Welpe erhält zum Beispiel bis zu 6% seines eigenen Körpergewichtes pro Tag an Futter!

Von den 500g wird nicht 100% pures Fleisch gefüttert. 20% – 30% hiervon sollten eine Mischung aus Gemüse/Obst/Kräuter ausmachen. Von den 500g am Tag erhält der hypothetische 20kg schwere Hund also 400g BARF und 100g Gemüse/Obst/Kräuter-Mischung (500g / 100 * 20% = 100). Wer mag, der kann an dieser Stelle auch noch Getreide mit einplanen. Wir füttern kein Getreide, nur gelegentlich mal Nudeln oder ein paar Haferflocken, wenn bei uns etwas übrig geblieben ist.

Die Gemüse/Obst/Kräuter-Mischung sollte sich aus 80% Gemüse und 20% Obst + Kräuter zusammensetzen. Der Gemüse-Anteil wiederum aus 50% Salat und 50% Gemüse. Hier gibt es verschiedene Arten der Berechnung (100g / 100 * 80 = 80g Gemüse; 100g – 80g = 20g Obst). Ob es jetzt schwere Folgen nach sich zieht, wenn der Hund nun 50g statt 45g Salat oder 30g statt 50g Obst bekommt, das sei mal dahingestellt. Wir sehen das eher locker und wiegen nur alles genau ab, wenn wir es vorportionieren. Wenn ich es frisch zubereite, dann landen da auch mal Obst- und Gemüsereste drin, die wir noch im Kühlschrank haben. Und dann ist das auch okay, wenn das Verhältnis nicht perfekt stimmt 🙂 .

Den Anteil an Fleisch, Knochen und Innereien ermittlen

Bevor ich euch noch weiter mit irgendwelchen komplizierten Rechnungen verschrecke, gehe ich bei der Ermittlung des Anteils an Fleisch, Knochen und Innereien nicht weiter auf Formeln ein 😉 . Stattdessen zeige ich euch eine Beispielrechnung aus einem Online-Futterrechner für Hunde.
Wir gehen wieder von unserem 20kg schweren Hund mit normalem Gewicht und mittlerer Aktivität aus, der 2,5% seines Körpergewichtes und ein Fleisch-O/G-Verhältnis von 80% zu 20% zugeteilt bekommt.

Hier ist auch ganz schön aufgelistet, wie viel der Hund täglich und wöchentlich bekommen sollte. Meiner Meinung nach ist die wöchentliche Aufteilung viel sinnvoller. Es ist nämlich nicht von Wichtigkeit, dass der Hund jeden Tag mit allen für ihn notwendigen Nährstoffen versorgt wird. Das ist in der Umsetzung praktisch auch nicht machbar. Wichtig ist, dass er über einen längeren Zeitraum mit allem Nötigen versorgt wird. Und das lässt sich eben einfacher umsetzen, wenn man die wöchentliche Menge nimmt und sie sinnvoll auf die einzelnen Tage verteilt.

Dieser Futterrechner ist übrigens von Carnes Doggi. Ich persönlich finde ihn sehr gut und habe ihn letztes Jahr auch zur Erstellung von Nalas Futterplan herangezogen.

Den Wochenplan erstellen

Nun habt ihr die optimale Menge alle Komponenten an die Hand gelegt bekommen. Jetzt ist es an euch, die Menge auf die einzelnen Tage zu verteilen. Das könnt ihr so machen, wie es euch und eurem Hund am besten passt. Einige füttern ein mal am Tag, wir füttern morgens und abends. Der Hund muss sich auch erst mal daran gewöhnen, das Fleisch und die Knochen zu verdauen und entsprechend Magensäure bilden. Daher überfordert eure Hunde anfangs besser nicht mit zu großen Fleischbrocken oder Knochen. Wir haben für uns auch herausgefunden, dass es Nala besser bekommt, wenn sie morgens statt abends ihre Knochen bekommt, da es von der Verdauung her besser passt und sie sich dadurch nicht mehr so häufig übergeben muss. Das lernt ihr aber mit der Zeit 🙂 . Generell solltet ihr den Plan regelmäßig anpassen (lassen). Zum Beispiel, wenn sich das Gewicht des Hundes ändert oder wenn der Fleischlieferant plötzlich Engpass mit einer bestimmten Fleischsorte hat oder eine Fleischsorte viel zu fettig ist.

Wir haben unseren Plan für eine Woche erstellt und verteilen die Menge mal so und mal so auf morgens und abends. Wenn wir am Wochenende erst mittags mit Nala spazieren gehen und eine riesengroße Tour mit ihr machen, dann bekommt sie anschließend auch mal die ganze Portion für den Tag und abends gibt es dann nichts oder einen kleinen Snack.

An Fleisch könnt ihr Rind, Geflügel, Wild, Pferd oder Lamm fütern. Von exotischen Sorten wie Känguru oder Krokodil würde ich lieber absehen. Das fällt nicht gerade in das natürliche Beuteschema eines Hundes oder Wolfes 😉 . Für Allergiker soll besonders Wild (wir füttern zum Beispiel Ente, Kaninchen oder Hirsch) gut geeignet sein. Hauptsächlich gibt es für Nala aber Rind und Huhn.

An Innereien füttern wir jede Woche Herz (ob Herz nun zu Muskelfleisch oder zu Innereien gehört, wird immer wieder heftig diskutiert – wir zählen es zum Muskelfleisch dazu; da das Herz aber ein Organ ist, liste ich es mal hier mit auf) und Leber. Abwechselnd gibt es außerdem ein mal in der Woche Niere, Milz oder Lunge. Sowie einmal Pansen und ein mal Blättermagen.

An RFK (= Rohe Fleischige Knochen) füttern wir Hühner- oder Putenhälse, Kalbsbrustbein, Kehlköpfe oder andere größere Knochen. Das ist natürlich auch etwas von der Größe des Hundes abhängig.

Auf Supplements, also Zusätze, wie Öle, Pulver usw. möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Das sprengt einfach den Rahmen dieses Blogbeitrages. Wichtig sind sie aber dennoch! Ohne Zusätze ist die optimale Nährstoffversorgung des Hundes (in den aller meisten Fällen) nicht gewährleistet.

Ein Beispielplan

Einen kompletten Beispielplan möchte ich hier nicht veröffentlichen, da ich befürchte, dass man ihn sich als Vorlage für den eigenen Hund nehmen könnte. Und ich bin der Meinung, dass man sich mit der Thematik auch auseinandersetzen und verstehen sollte, was man füttert, wenn man sich für das Barfen entscheidet. Also seid mir bitte nicht böse, wenn ich euch hier keine Vorlage liefere 🙂 . Ich gebe euch aber gerne einen kleinen Einblick in unseren aktuellen Plan.

Freitags bekommt Nala recht viel zu Fressen. Das hier ist also nicht die Menge, die sie jeden Tag bekommt. Ich finde es gut, wenn man da etwas variiert. Samstags bekommt sie dafür zum Beispiel etwas weniger. Man sieht an diesem Beispiel ganz gut, dass alle Komponenten vertreten sind. Sowohl Fleisch als auch Innereien und Knochen stehen auf dem Plan. Wie ich aber vorhin schon erwähnt habe, ist es nicht wichtig, dass jeden Tag alle Komponenten berücksichtigt werden. Man sollte jedoch darauf achten, dass man zu den Knochen auch immer Fleisch füttert, damit der Magen ausreichend Magensäure produziert, um den Knochen zu verdauen. Ansonsten kann es zu Knochenkot und Verstopfungen kommen. Obst und Gemüse gibt es bei uns fast jeden Tag. Die Zusätze für diesen Tag setzen sich aus Zink, Seealgenmehl (hauptsächlich für den Jod-Bedarf) und Öl (zum Beispiel Lachsöl, Leinöl, Hanföl) zusammen.

Online-Futterrechner

Abschließend möchte ich euch noch ein paar Links mit an die Hand geben, die euch das Erstellen des Futterplanes etwas erleichtern sollen. Ich möchte noch ein mal darauf hinweisen, dass der Plan regelmäßig überarbeitet werden sollte und nie für das ganze Leben des Hundes gillt. Bei Bedarf ist es immer sinnvoll, den Plan von einer Ernährungsberaterin überprüfen oder neu erstellen zu lassen.

Jetzt wünschen wir euch aber erst ein mal viel Spaß bei der Erstellung eures ersten Futterplanes und hoffen, wir konnten euch dabei ein wenig Hilfestellung bieten! 🙂

Online Futterrechner von Carnes Doggi

Erstellung des Hundefutterplanes nach Swanie Simon

Fertige Futterpläne mit und ohne Getreide

Futterplan ohne Mengenangabe mit Beispiel für Obst/Gemüse-Mischungen

Futterplan mit Mengenangabe und Supplements

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*